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15.09.2016: Was ist Ergotherapie?

„Papa, was ist eigentlich Ergo? Und warum geht Mama zur einem Physio? Mein Freund Lucas bekommt jetzt Logopädie, was machen die da?“ Na, könnten Sie Ihrem Kind diese Fragen beantworten?

Herzlich willkommen auf unserer Seite „Aktuelles“, auf der wir nicht nur die oben gestellten Fragen beantworten, sondern auch die einzelnen Therapiearten näher erläutern werden. Viel Spaß beim Lesen.

Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie zählen zu den Gesundheitsfachberufen. Gemeinsam bilden sie die Voraussetzungen, um Patienten interdisziplinär optimal zu versorgen. Zum Beispiel nach einem Schlaganfall, bei Problemen im neurologischen Bereich, oder bei verzögerter Sprachentwicklung, nach einem Arm- oder Beinbruch – und auch bei langwierigen Erkrankungen und Reha-Maßnahmen, z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt.

Was ist eigentlich „Ergo“?

Der Berufsverband der Ergotherapeuten definiert die Ergotherapie wie folgt: „Ergotherapie unterstützt und begleitet Menschen unabhängig ihres Alters, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind oder deren Einschränkung gefährdet ist. Ziel von Ergotherapie ist es, die Patienten bei der Durchführung für sie bedeutsamer Betätigungen in den Bereichen Selbstversorgung, Produktivität und/oder Freizeit in ihrer persönlichen Umfeld zu stärken.“

Fort von der reinen Beschäftigungstherapie des 20. Jahrhunderts hat sich die Ergotherapie zu einer vielschichtigen Profession entwickelt. Ergotherapeuten arbeiten in den verschiedensten Bereichen der Gesundheitsversorgung, Prävention und auch Rehabilitation. Unterschieden werden folgende Fachbereiche, in denen sich ausgelernte Ergotherapeuten betätigen:

– Pädiatrie; beinhaltet die Arbeit mit Kindern
– Neurologie; alles, was mit Erkrankungen des Gehirns zu tun hat
– Geriatrie; hier ist die Arbeit mit älteren Menschen gemeint
– Handtherapie/Orthopädie
– Arbeitstherapie; Therapie zur Wiedereingliederung in die Arbeitswelt
– Psychiatrie; die Arbeit bei und mit psychisch kranken Menschen
– Onkologie; Therapie bei einer Krebserkrankung

Wie und wo arbeiten Ergotherapeuten?

Ergotherapeuten können in öffentlichen Einrichtungen (Psychiatrie, Krankenhaus, Rehabilitationseinrichtungen (Unfall/Operation, als auch Sucht/Abhängigkeit), in Werkstätten für Menschen mit Behinderung (körperlich, geistig und psychisch) und Altenpflegeeinrichtungen) angestellt sein, oder auch in privaten Praxen und Gesundheitszentren für ambulante Therapien arbeiten.
Damit wir als Gesundheitszentrum eine ergotherapeutische Behandlung durchführen können, benötigt der Therapeut eine Heilmittelverordnung (Rezept) des Hausarztes (Allgemeinarzt, Internist). Ein „Rezept“ ausstellen darf er (noch) nicht. Neben der vom Arzt festgestellten Diagnose (der zu behandelnden Erkrankung/Störung) ist hierauf auch das Heilmittel festgelegt. Hierbei gibt es vier verschiedene Möglichkeiten:
– sensomotorisch-perzeptive Behandlung. Bedeutet, alles, was mit der Sensorik und der Wahrnehmung zu tun hat. Hierunter fallen z.B. Auffälligkeiten wie AD(H)S, graphomotorische Einschränkungen oder Entwicklungsverzögerungen.

– motorisch-funktionelle Behandlung: Hierunter fällt alles, was Skelett und Muskelapparat betrifft, z.B. auch die Handtherapie, eingeschränkte Arm- und Beinbeweglichkeit und vieles mehr.

– psychisch-funktionelle Behandlung: diese Behandlung wird bei psychischen Erkrankungen verschrieben. Als Beispiele seien Depressionen, Schizophrenie oder Verhaltensstörungen aufgeführt.

– Neuro-physiologische Behandlungen/Hirnleistungstraining (HLT):  wird unter anderem verschrieben bei beginnender Demenz oder nach Erkrankungen, der Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit.

Die moderne Ergotherapie bietet aber noch viel mehr Möglichkeiten. Zum Beispiel Kurse wie Rehasport, Entspannung etc. Auch das Neurofeedback, das wir in unseren Gesundheitszentren anbieten, wird dem Feld der Ergotherapie zugeordnet.

Üblicherweise wird die Erstverordnung als 10er Rezept ausgestellt. Das bedeutet, es dürfen maximal zehn Behandlungen durchgeführt werden, bevor eine neue Verordnung vom Arzt ausgestellt werden kann.

Zu Beginn findet bei uns im arcanum immer ein ausführliches und für den Patienten kostenfreies Erstgespräch statt. Im Rahmen dessen wir mehr über die Motive des Patienten erfahren wollen. Worauf legt er wert, was ist sein Ziel, etc? In diesem Erstgespräch wird auch die Anamnese erhoben. Das bedeutet, der Patient erläutert sein bisherigen, gesundheitlichen Lebensweg und gibt Auskünfte über die aktuelle gesundheitliche Situation. Je nach Schwerpunkt werden bestimmte Bereiche besonders genau besprochen und Testungen, so genannte Assessments, finden dann statt. Bei Kindern mit Auffälligkeiten spielt zum Beispiel schon die Schwangerschaft der Mutter und auch der Geburtsvorgang eine signifikante Rolle.
Bei älteren Menschen, die nach Schlaganfall zu uns in die Behandlung kommen, erfragen wir stets auch immer die persönlichen Wohn- und Lebensumstände. Denn für die meisten unserer Patienten spielt das Thema Selbständigkeit, eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das heißt, diese Menschen möchten mit Hilfe der Ergotherapie schnellstmöglich wieder das Leben ohne Hilfsmittel und ohne jemand um Hilfe bitten zu müssen, selbst bewältigen können.

Es gibt viele Kleinigkeiten im Alltag, die zu großen Herausforderungen werden, wenn man nicht gesund ist. Und es gibt viele Tipps und Kniffe, die wir unseren Patienten mit auf den Weg geben, damit sie dann im Alltag besser klar kommen. Hierzu werden in den Behandlungseinheiten alle Fähigkeiten theoretisch und praktisch geübt, die dann im Privaten übernommen werden können.