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12.09.2016: Neurofeedbacktherapie im arcanum – Psychose

Psychose

In unserem Gesundheitszentrum, das wir auf Basis der Physiotherapie, der Ergotherapie, dem Neurofeedback und der Logopädie betreiben, behandeln wir immer mehr Menschen mit neurologischen Erkrankungen – vor allem auch mit Psychosen. Vor 5 Jahren lag die Anzahl der Patienten mit Psychosen bei uns in der Ergotherapie bei 2%. Aktuell behandeln über 6% der Patienten mit diesem Krankheitsbild. Diese Patienten nutzen bei uns die Möglichkeit des Neurofeedbacks, um ihren Zustand und ihre Lebensqualität zu verbessern. Was genau die Neurofeedbacktherapie bedeutet, und welche Möglichkeiten diese für Patienten bietet, können Sie unter der Rubrik Therapiearten einsehen. In diesem Artikel werden wir das Thema Psychose näher beleuchten.

Rund 1,2 % aller Deutschen leiden an der genetische Veranlagung einer Psychose. Psychotische Zustände kann auch derjenige erfahren, der unter Drogeneinfluss steht. Diese Zustand verändert sich aber wieder, wenn die Wirkung der Droge nachlässt.

Wer die Diagnose einer genetische Psychose einmal gestellt bekommen hat, der muss Zeit seines Lebens damit leben. Patienten mit einer Psychose können oftmals nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen und werden in Folge dessen berufsunfähig. Eine Psychose hat immer zwei Schubphasen. Eine aktive und eine passive. Beide Phasen sind in ihrer Auswirkung und Art sehr unterschiedlich. Nicht selten kommt es vor, dass ein Patient während eines Schubs stationär in einer Klinik mit Neuroleptika behandelt werden muss. Während der Zeit, in der der Schub anhält, ist der Patienten praktisch zu kaum etwas mehr fähig. Viele einfache Themen des Lebens, wie zB. zur Bank zu gehen, oder die Wohnung zu reinigen, bzw. einkaufen zu gehen, können diesen Menschen bereits überfordern. Das Befinden und Wahrnehmung ist in dieser Phase sehr stark tangiert. Dieser Zustand wird in der aktiven Phase durch Medikamente nur bedingt besser. Bei sehr intensiven Schubphasen können aber selbst sehr gute Medikamente die Schübe nicht gänzlich auffangen.

In der passiven Phase, entstehen keine Schübe und ein normales Leben ist möglich. Viele Patienten gehen in diesen Zeit auch ihrer Arbeit geregelt nach. Trotzdem sind sie beeinträchtigt, da sie auch in dieser Phase ohne Medikamente nicht auskommen. Diese Medikamente sollen einen Schub rauszögern, unterdrücken, bzw. zeitlich weiter in die Zukunft verlagern. Es zeigt sich aber auch, dass selbst in einer passiven Phase der Patient nicht stressresistent ist, und und sehr viel Ruhe und viel Schlaf benötigt. Die Gefahr besteht aber weiterhin, dass wenn diese Patienen in sehr stressige Situationen kommen, sie labil und sogar psychotisch werden können. Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass Patienten mit einer Psychose nicht mehr so belastbar und lebensfähig sind, wie im Vergleich dazu ein gesunder Mensch. Patienten sind in einer passiven Phase trotzdem noch zurechnungs- und geschäftsfähig. Allerdings zeigen unsere Erfahrungen auch, dass diese Patienten oft eine starke Abneigung haben, ihre Angelegenheiten zu regeln. Sollte dieser Zustand erreicht sein, wird ein Betreuer notwendig, der für den Patienten die wesentlichen Angelegenheiten, wie notwendiger Papierkram, etc. erledigt. Das ist aber von Fall zu Fall unterschiedlich und hängt von der Schwere der Erkrankung ab.
Symptome einer Psychose

Eine Psychose zeigt sich durch eine Vielzahl an Symptomen. Das wesentliche Merkmal ist , dass das Denken dieser Menschen krankhafte Züge annimmt. Es entstehen Phantombilder die aus dem alltäglichen Geschehen zusammengesetzt sind. Es kann z.B. sein, dass der Patient im Café ein Gespräch mitbekommt und daraus eine Bestätigung für sein Trugbild, bzw. Phantombild erhält. Es geht soweit, dass wenn der Patient zB einen Film sieht, er der festen Überzeugung ist, dass alles was dort geschieht, mit ihm zu tun hat und er Botschaften daraus für sich erkennen will. Es können richtige Verfolgungsszenarien entstehen, in Folge dessen der Patient auch Todesängste erfährt. Einige Patienten mit einer Psychose sehen sich als Opfer in einer Welt, in der sie sich verfolgt fühlen. Andere Patienten wiederum halten sich für bekannte und berühmte Leute. Auswüchse gehen bis dahin, dass Patienten sich als Herrscher der Welt sehen. Gefährlich wird die Situation dann, wenn der Patient diese Wahnvorstellungen für absolut real nimmt. In der Phase davor, nimmt der Patient diese Fantasien zwar auch wahr, weiss aber, dass sie nicht real sind. In der sehr extremen, akuten Phase, wird es deshalb gefährlich für ihn und die Umwelt, da er davon ausgeht, dass er zB. eine Mission zu erfüllen hat, um andere Person zu schädigen.

Wenn der aktive Schub abebbt, dann verfallen diese Patienten oft in eine sehr depressive Haltung. Auch in dieser Situation kann es sein, dass der Patient nicht mehr alltagsfähig ist und Hilfe benötigt. Diese einsetzende, depressive Phase, kann über Wochen manchmal auch Monate andauern. Oft wird über einen sehr langen Zeitraum nicht bemerkt, dass eine Person sich nun in dieser Phase befindet, da sie sich relativ normal verhält. Ein Grund ist auch, wie unsere Therapeuten berichtigen, dass der Patient in dieser Phase aus Scham seine Gedanken nicht mitteilen möchte und sie für sich behält. Das führt aber zu einer Vereinsamung. Oft zerbrechen in dieser Zeit Freundschaften oder auch Ehen.

Abschließend sei gesagt: das wichtige im Umgang mit psychiotischen Patienten ist, dass wirklich jeder als Patient erst genommen und dem Grad seiner individuellen Erkrankung betrachtet wird. Ebenso wichtig ist es, dass der Patient bei den ersten Anzeichen dieser Erkrankung einen Arzt aufsucht, bzw. die Angehörige mit ihm zu einem Arzt gehen. Denn häufig empfindet der Patient sich nicht als behandlungsbedürftig, und weigert sich, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. In dieser Situation sollten Angehörige nicht zurückweichen, sondern auf einen Arzttermin bestehen.

Gerne stehen wir mit der Neurofeedbacktherapie dem Patienten in seiner Krankheitsphase zur Verfügung und sehen auch beeindruckende Erfolge. Zwingend vorgeschoben muss allerdings ein Arzttermin stattfinden, auf Basis desssen der Arzt ein Ergotherapierezept für die Neurofeedbacktherapie ausstellen kann. Die Entscheidung darüber bleibt aber alleinig dem Arzt überlassen.