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28.11.2016: was ist Physiotherapie?

An dieser Stelle werden wir immer mal wieder auch die Hintergründe unserer Therapien ein wenig näher beleuchten und somit Einblicke ermöglichen. Heute stellen wir das Thema Physiotherapie näher vor.

Was ist Physiotheraoie?

Die Physiotherapie trainiert den Körper spezifisch und wendet äußerliche Heilmittel an, die die Funktionen des menschlichen Körpers und die des Bewegungsapparates erhalten, verbessern oder wiederherstellen sollen. Bis vor einiger Zeit war die Physiotherapie noch unter dem Begriff Krankengymnastik bekannt. Mit ihrer Hilfe werden viele Krankheiten behandelt.

Wozu dient die Physiotherapie?

Im Zentrum der Anwendungen stehen die Funktionsfähigkeit von Körper und Bewegung. Beide können durch angeborene Fehlentwicklungen oder Erkrankungen sowie durch dauerhafte und tägliche Fehlbelastungen gestört werden. Mit der Hilfe der Physiotherapie werden die Störungen verbessert oder sogar komplett beseitigt. Die verschiedenen Beschwerden und Krankheiten werden im Laufe der Therapie je nach Krankheitsbild mit verschiedenen Verfahren behandelt, zum Beispiel mit und ohne Geräte, durch manuelle Therapien oder durch neurologisches Training, der sogenannten Bobath-Methode. Des Weiteren werden auch physikalische Maßnahmen eingesetzt, wie Elektro-, Wärme- oder Hydrotherapie. Mit diesen Therapien werden nicht nur gesunde Bewegungsabläufe unterstützt und erhalten, sondern auch Schmerzen gelindert, verspannte und geschwächte Muskeln kuriert oder die motorischen Entwicklungsphasen bei Kindern gefördert. Die Physiotherapie kann in jedem Alter zur Anwendung kommen. Meistens verordnen behandelnde Ärzte physiotherapeutische Maßnahmen. Sie stellen ein Rezept aus, damit der Patient ambulant behandelt werden kann. Nach Verletzungen oder Operationen kann die Physiotherapie auch im Krankenhaus erfolgen.

Die Physiotherapie als vorbeugende Behandlung.

Allerdings werden nicht nur Erkrankungen behandelt und kuriert, denn die physiotherapeutische Anwendungen können auch verhindern, dass der Bewegungsapparat, Muskelgruppen und weitere Funktion überhaupt erkranken. Spezielle Übungen der Rückenschule beugen Bandscheibenvorfällen und Rückenschmerzen vor. Sie verbessern zudem verschiedene motorische Fähigkeiten, Ausdauer und Kraft. Auch das Herz-Kreislauf-System wird gestärkt, sodass der Körper vor weiteren Krankheiten wie Arteriosklerose, Osteoporose und Herzinfarkt geschützt wird. Das Einsatzgebiet in diesem Bereich ist enorm groß. Behandelt werden Symptome und Erkrankungen in Bezug auf Neurologie, Orthopädie und Psychiatrie. Nahezu jedes medizinische Fachgebiet wird im Rahmen der Physiotherapie ganzheitlich behandelt, damit chronische und akute Krankheiten gelindert, geheilt und behandelt werden. Dennoch werden am häufigsten Krankheiten aus dem Teilgebiet der Orthopädie behandelt. Vor allem Rückenbeschwerden werden mit physiotherapeutischen Maßnahmen gelindert. Darüber hinaus gehören auch Knochenbrüche, Risse und Zerrungen von Bändern, Muskeln und Sehnen bei Bänderrissen am Sprunggelenk oder Kreuzbandrissen, Geschlenkverschleiß, Gelenkersatz, Operationen an Gelenken und Wirbelsäule, Amputationen und entzündliche Erkrankungen der Gelenke zu den Gebieten, die durch die Physiotherapie behandelt werden.

Physiotherapie bei neurologischen Erkrankungen

Auch bei neurologischen Erkrankungen gehört die Physiotherapie zu den wichtigen Behandlungen. Bei Multipler Sklerose und Parkinson werden Verfahren wie die Therapie nach Vojta oder die Bobath-Methode angewendet, um die Symptome zu lindern oder zu verbessern. Dabei werden zum Beispiel alltägliche Fertigkeiten wie Greifen, Gehen und Stehen dauerhaft erhalten. Bei Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Traumata sind krankengymnastische Übungen ebenfalls behilflich, motorische Fähigkeiten weitestgehend wieder herzustellen.

Physiotherapie in der Pädiatrie

Auch im Bereich der Kinderheilkunde ist die Physiotherapie ein wichtiger Behandlungsbaustein. Kinder mit Entwicklungsstörungen werden mit verschiedenen Methoden behandelt, zum Beispiel bei geistigen Fehlentwicklungen, motorischen Störungen oder Autismus. In diesem Zusammenhang fällt es den Kindern schwer die Balance zu halten oder Arme und Beine kontrolliert zu steuern. Physiotherapeutische Maßnahmen helfen dabei, Körperbewegungen wieder besser zu koordinieren und den Körper verbessert wahrzunehmen. Zu früh geborene Kinder besitzen noch kein ausgereiftes Muskel- und Nervensystem, außerdem stellt die Schwerkraft für sie noch eine große Herausforderung dar. So kann es schneller zu Fehlhaltungen kommen. Physiotherapeutische Maßnahmen unterstützen zu früh geborene Kinder bei der Entwicklung und beugen Fehlhaltungen vor.

Physiotherapeutische Maßnahmen bei internistischen Erkrankungen.

Bei internistischen Erkrankungen wird die Physiotherapie ebenfalls als begleitende Maßnahme eingesetzt. Asthma bronchiale, Mukoviszidose oder chronische Lungenerkrankungen werden mit der sogenannten Asthmatherapie behandelt und gelindert. Eine Atemtherapie lehrt Asthmatiker spezielle Atemtechniken, die bei Atemnot behilflich sind. Des Weiteren ist der Physiotherapeut auch in der Lage, eine verschleimte Lunge zu behandeln, indem er sie ausklopft und so das Abhusten vereinfacht. Doch nicht nur Atemwegserkrankungen werden mit physiotherapeutischen Maßnahmen gelindert, sondern auch Magen-Darm-Erkrankungen wie Stuhlinkontinenz, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzinfarkt oder Störungen an Organen wie Blase, Nieren und ähnliches.

Physiotherapie bei psychiatrischen Erkrankungen

Im Rahmen der Psychiatrie werden ebenfalls physiotherapeutische Maßnahmen eingesetzt, um die Behandlung erfolgreicher zu gestalten. Dabei wird die enge Verbindung von Psyche und Körper genutzt. Vielen Menschen mit Depressionen fällt es häufig schwer, sich selbst zu motivieren, um aktiver zu werden. So verschlechtert sich oft ihre Stimmung. Mit physiotherapeutischen Maßnahmen wird dem entgegengewirkt, da gezielte Übungen dazu motivieren, sich mehr zu bewegen und aktiver am Alltag teilzunehmen. Bei Schizophrenie kann die Physiotherapie ebenfalls unterstützend wirken. In akuten Phasen tritt häufig eine Bewegungsstarre ein, bei denen sich viele Menschen häufig gar nicht mehr bewegen können, obwohl das Bewusstsein nicht getrübt ist. Bestimmte Methoden der Physiotherapie helfen, diese Starre zumindest zum Teil wieder zu lösen.

In vielen Fällen hilft die Physiotherapie, die Lebensqualität wieder zu verbessern